{"id":14,"date":"2012-11-30T21:06:30","date_gmt":"2012-11-30T19:06:30","guid":{"rendered":"http:\/\/talstadtgemeinde-bernburg.de\/?page_id=14"},"modified":"2012-11-30T21:06:30","modified_gmt":"2012-11-30T19:06:30","slug":"geschichte","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/talstadtgemeinde-bernburg.de\/?page_id=14","title":{"rendered":"Marienkirche"},"content":{"rendered":"<p>Die Geschichte der Bernburger Mariengemeinde<br \/>\n(Den Ausf\u00fchrungen liegt unter anderem das Buch &#8222;Altes und Neues von der Marienkirche zu Bernburg &#8211; Ein Beitrag zur Geschichte der Stadt, von Pastor A. Hinze, Dessau 1902&#8220; zu Grunde.)<\/p>\n<p>Name und Baustil der Marienkirche<br \/>\nDie Marienkirche ist, wie andere Kirchen auch, eng mit der Stadtgeschichte Bernburgs verbunden. Die ersten geschichtlich nachweislichen Anf\u00e4nge einer Stadt kn\u00fcpfen in der Regel an die Entstehung der Kirche an. Es war fr\u00fcher selbstverst\u00e4ndlich, dass wichtige Ereignisse in der Stadt ihren Ausdruck in entsprechenden kirchlichen Feiern fanden. Die Kirchenb\u00fccher sind eine wichtige Quelle \u00fcber Wohl und Wehe der Stadt und ihrer B\u00fcrger.<\/p>\n<p>Auch die Stadtkirche Beatae Mariae Virginis (der seligen Jungfrau Maria) steht in enger Verbindung mit der Entstehung und Entwicklung der Stadt Bernburg. Andere Namen waren: &#8222;Altst\u00e4dter Kirche&#8220;, &#8222;Stadtkirche&#8220;, &#8222;Kathedralkirche von Anhalt-Bernburg&#8220;, &#8222;Unse lewe Fruwen Kerke to Berneborch&#8220; bzw. &#8222;&#8230;in der olden Stadt Berneborch&#8220;. Sie gilt als das kunstgeschichtlich bedeutendste Bauwerk der Stadt Bernburg. Erstmalig erw\u00e4hnt wird sie im Jahre 1228.<\/p>\n<p>Die Einstellung zur Kirche hat sich seitdem gewandelt. Sie, und mit ihr die christliche Botschaft, ist an den Rand der Gesellschaft ger\u00fcckt. Die Marienkirche selbst steht aber noch im Zentrum der Altstadt und pr\u00e4gt durch ihre wuchtige Gestalt das Stadtbild. Sie ist in ihrer Gr\u00f6\u00dfe anst\u00f6\u00dfig und herausfordernd zugleich.<\/p>\n<p>Der Chor &#8211; ein Meisterwerk der Sp\u00e4tgotik<br \/>\nDas \u00e4lteste Kirchensiegel zeigt den Chor auf Pf\u00e4hlen (im moorigen Saalegrund?). Der Chor und andere Teile (Hauptportal, Ma\u00dfwerke) stammen aus der Zeit zwischen 1460 und 1504. Diese &#8222;wundervolle Feinarbeit der sp\u00e4ten Gotik, bei der der harte Stein wie weiches Material gesponnen&#8220; ist, gilt als &#8222;das sch\u00f6nste und reichste Werk der Sp\u00e4tgotik in Anhalt&#8220; (Ludwig Grote). Als Meister nimmt man einen Nachfahren der Schule Peter Parlers in Prag an, sei es Hans oder Matthias K\u00fcmecke oder Konrad von Einbeck.<\/p>\n<p>Wegen des immer wiederkehrenden Hochwassers wurde der Boden in der Talstadt im Mittelalter angeschwemmt oder aufgef\u00fcllt, so dass Turm und Kirchenschiff heute wie im Boden versunken aussehen. Reizvoll ist der Gegensatz des feingliedrigen Chores zum riesigen Dach. Im Inneren sind \u00e4hnliche Gegens\u00e4tze wahrzunehmen: asketisch und streng die B\u00f6gen im Schiff &#8211; voll leuchtender F\u00fclle der vielrippige Chor.<\/p>\n<p>Das Geheimnis des Inneren der Marienkirche beruht auf diesem Gegensatz und auf der Ausgewogenheit seiner Ma\u00dfe. Am sch\u00f6nsten ist die Kirche im Morgenlicht.<\/p>\n<p>Die Zeit der Reformation<br \/>\n1526 wurde durch F\u00fcrst Wolfgang die lutherische Reformation eingef\u00fchrt und in der Marienkirche das erste evangelische Abendmahl gefeiert.<br \/>\n1526 Erneuerung und Erweiterung des Gest\u00fchls<br \/>\n1533 h\u00f6lzerne Kanzel, Emporen und neue Orgel<br \/>\n1555 Empore unter der Orgel<\/p>\n<p>Um 1600 wurde das Luthertum durch den Calvinismus abgel\u00f6st. Die f\u00fcnf Alt\u00e4re aus katholischer Zeit wurden abgebrochen. Zeitweise wurden auch die Orgel und andere Dinge aus der Kirche entfernt, was aber auf Dauer nicht so blieb. Seit 1820 gilt das unierte Bekenntnis.<\/p>\n<p>Ausstattung<br \/>\nIm Chor befanden sich 7 Standbilder evangelischer F\u00fcrsten der Reformationszeit; im Jahre 1812 wurde als achtes das des Herzogs Alexius Friedrich Christian hinzugef\u00fcgt. Die Standbilder wurden sp\u00e4ter wieder entfernt und sind leider nicht mehr vorhanden. Anfang des 19. Jahrhunderts war die Kirche Lazarett und f\u00fcr den Gottesdienst nicht mehr zu benutzen. Um Geld f\u00fcr die Renovierung zu beschaffen, zerschlug man die gro\u00dfe Glocke und ver\u00e4u\u00dferte sie. Am 20. 9. 1812 wurde die Kirche wieder eingeweiht. Von daher stammen die Marmortafeln mit Bibelspr\u00fcchen im Chor.<\/p>\n<p>Von 1864 an wurden farbige Fenster im Chor eingesetzt. Sie sind ein besonderer Schmuck der Kirche. Das Mittelfenster zeigt Christus am Kreuz, am Fu\u00dfe stehen Maria und Johannes, darunter befinden sich drei Prophetengestalten des Alten Testamentes. Links vom Altar sehen wir Christi Geburt und die Hirten voll anbetender Bewunderung. Darunter sind die drei K\u00f6nige zu sehen. Rechts vom Altar ist Christi Auferstehung dargestellt. Die W\u00e4chter sinken erschrocken zu Boden, als Jesus aus der T\u00fcr des Grabes hervorgeht. Darunter sind die Evangelisten Markus, Lukas und Matth\u00e4us dargestellt.<\/p>\n<p>Nach einer Besichtigung der Kirche durch den Herzog im Jahre 1867 wird folgendes veranlasst:<br \/>\n&#8211; Einw\u00f6lbung der Decke im Chor,<br \/>\n&#8211; Beseitigung der Emporen, statt dessen h\u00f6here Sitze,<br \/>\n&#8211; Kanzel und Altar aus Sandstein,<br \/>\n&#8211; Entfernung st\u00f6render Ornamente im Innern und Ausmalung.<\/p>\n<p>Kanzel und Taufstein<br \/>\nDie Kanzel (wie auch der Altar) ist ein Werk des Bernburger Steinmetzmeisters Hugo Kielhorn aus dem 19. Jahrhundert. Er konnte zurecht stolz sein auf sein Werk.<br \/>\nIm Jahre 2002 wurde sie restauriert.<br \/>\nDie biblischen Darstellungen (Reliefs) zeigen von links:<br \/>\n&#8211; Mose mit den Gesetzestafeln (2. Mose 20)<br \/>\n&#8211; Johannes der T\u00e4ufer (Matth\u00e4us 3)<br \/>\n&#8211; Gleichnis vom S\u00e4mann (Matth\u00e4us 13)<br \/>\n&#8211; Auferweckung der Tochter des Jairus (Matth\u00e4us 9, 18ff)<br \/>\n&#8211; Einsetzung des Petrus in das Hirtenamt (Johannes 21, 15 ff)<\/p>\n<p>Der Taufstein ist eine Schenkung des Herzogs und wurde 1860 aufgestellt.<br \/>\nDer Teppich um den Taufstein in der Marienkirche war urspr\u00fcnglich ein Geschenk der Frauen der evangelischen Frauenhilfe f\u00fcr Herrn Oberprediger Dr. Fritz Heine, der von 1918 &#8211; 1937 Pfarrer an der Marienkirche war. Anl\u00e4sslich seines 40-j\u00e4hrigen Dienstjubil\u00e4ums am 2. Oktober 1932 wurde ihm dieser Teppich zum Geschenk gemacht und zwei Jahre sp\u00e4ter, am Erntedankfest 1934, \u00fcbergeben. An der Herstellung waren etliche Frauen der Frauenhilfe beteiligt, denn im Tagebuch von Frau Heine ist vermerkt, dass am Freitag, dem 19. Oktober 1934, 20 Frauen, die alle am Teppich gestickt hatten, abends zum Kaffee eingeladen waren. Alte Bernburger kennen noch Frieda Heine und Gertrud Schwenke. Frieda Heine hatte ein Handarbeitsgesch\u00e4ft auf dem Markt. Sie ist 1954 gestorben. Beide Frauen waren wohl ma\u00dfgeblich an der Herstellung des Teppichs beteiligt. Der Enkelsohn von Dr. Heine, Herr Hermann Schaub, hatte anl\u00e4sslich seines 60. Geburtstages zu Spenden f\u00fcr die Restaurierung dieses Teppichs aufgerufen. 4.025,- DM konnten am Ende daf\u00fcr verbucht werden.<\/p>\n<p>An den Ecken sind die Sinnbilder der vier Evangelisten dargestellt:<br \/>\nMARCUS &#8211; als L\u00f6we<br \/>\nJOHANNES &#8211; als Adler<br \/>\nLUCAS &#8211; als Stier<br \/>\nMATTH\u00c4US -als Engel<\/p>\n<p>Au\u00dferdem die vier Elemente:<br \/>\nAQUA &#8211; Wasser<br \/>\nAER &#8211; Luft<br \/>\nIGNIS &#8211; Feuer<br \/>\nTERRA &#8211; Erde<\/p>\n<p>Die Restauratorin Erdmute Franke aus Aschersleben hat den Teppich im Jahre 2002 gereinigt und konserviert. Kristine Heimrich hat ihn danach nach Angaben der Restauratorin ausgebessert und Fehlstellen erg\u00e4nzt. Seit dem 13. Juli 2003 ist er wieder auf dem Sockel des Taufsteins zu sehen.<\/p>\n<p>Die Orgel<br \/>\nDie \u00e4ltesten Nachrichten \u00fcber eine Kirchenorgel reichen bis zum Jahre 1528 zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Kantor Diemer an der Kapischke-OrgelDie damals vorhandene Orgel h\u00e4tte, so hie\u00df es, &#8222;schon ein hohes Alter, aber keine schlechte Bauart&#8220;. So entstand 1533 unter den geschickten H\u00e4nden von Hans Jordan eine neue Orgel unter Verwendung vieler alter Teile. Am 25. April 1715 begann nach einem Vertrag der aus Rieder stammende Orgelbauer David Loberbieren damit, eine neue Orgel zu bauen. F\u00fcr seine M\u00fche und Arbeit bekam er 390 Taler, die alte Orgel und freie Wohnung. In der gr\u00f6\u00dften Pfeife fanden sich Hinweise darauf, dass die Orgel 1583 gebaut und 1671 renoviert wurde. 1892 wurde erneut der Wunsch nach einer neuen Orgel laut.<br \/>\nAm 23. Februar 1902 wurde diese, von dem Orgelbauers R\u00f6ver aus Haus-Neindorf bei Quedlinburg errichtete Orgel eingeweiht. Sie ist aber leider bis auf den Prospekt und einige Pfeifen nicht mehr vorhanden. Seit dem 10. Dezember 1995 erklingt eine kleine, einmanualige Orgel des Bernburger Orgelbauers Rainer Kapischke. Herr Pharmazierat Dr. Gerd-Gunther Madry, Merseburg, hat eine Spendenaktion &#8222;F\u00fcr den Wiederaufbau der Orgel&#8220; in der Marienkirche Bernburg ins Leben gerufen. Als n\u00e4chstes soll der Prospekt der alten R\u00f6ver-Orgel wieder aufgebaut werden.<\/p>\n<p>Die 12 Apostel<br \/>\nDie Konsolen an den \u00e4u\u00dferen Pfeilern des Chores erhielten kleine Statuen aus Sandstein. Es sind Nachbildungen der Apostelfiguren in der Sebalduskirche zu N\u00fcrnberg, die von Peter Vischer 1508-1519 geschaffen wurden. Zu den vier vorhandenen Figuren des Petrus, Paulus, Jakobus und Johannes lieferte die Firma Eichler in Berlin diejenigen des Philippus, Thomas und Bartholom\u00e4us, die achte Figur fertigte Chr. F\u00f6rsterling. \u00dcber der Eingangst\u00fcr an der S\u00fcdseite neben dem Chor befindet sich die Figur des segnenden Christus nach Thorwaldsen. Die Figuren der Apostel waren so verteilt, dass sechs an den Pfeilern des Chores und zwei neben dem Haupteingang stehen, w\u00e4hrend die Konsolen an der Sakristei noch nicht mit Statuetten verziert sind. Die Apostelfiguren am Altar, ebenfalls eine Nachbildung der Apostel vom Sebaldusgrab, wurden in der Chamottefabrik, die sich auf der T\u00f6pferwiese befand, in Ton gebrannt, ebenso die Christusfigur am Kreuz:<\/p>\n<p>1 Paulus mit den zwei Schwertern, Symbole der geistlichen und weltlichen Macht.<br \/>\n2 Petrus mit Buch und Schl\u00fcssel<br \/>\n3 Johannes, den Becher segnend, um das Gift zu vertreiben, weil er zum Giftbecher verurteilt war.<br \/>\n4 Jakobus mit Wanderstab und K\u00fcrbisflasche, Zeichen seines Missionseifers.<br \/>\n5 Thadd\u00e4us mit der Keule unter dem Arm, mit der er in Persien erschlagen worden sein soll.<br \/>\n6 Philippus auf das Kreuz in seinem Arm deutend, weil er von Ort zu Ort wanderte, um das Kreuz zu predigen.<br \/>\n7 Simon mit der S\u00e4ge, dem Zeichen seines Martyriums<br \/>\n8 Andreas mit dem stumpf- und spitzwinkligen Kreuz, dem Andreaskreuz, an einem solchen soll er gekreuzigt worden sein.<br \/>\n9 Bartholom\u00e4us mit dem Messer, er soll in Armenien geschunden worden sein.<br \/>\n10 Matthias h\u00e4lt das Beil, er wurde enthauptet, ein f\u00fcr Judas Ischarioth erw\u00e4hlter Apostel. Er wird als Greis, mit Beil, Lanze oder einem Stein in der Hand dargestellt, weil er in Jerusalem damit hingerichtet oder nach anderen Quellen gesteinigt worden sein soll.<br \/>\n11 Thomas, an einem Stab und lesend Er soll, nachdem er den \u00c4thiopiern, Parthern, Medern und Persern das Evangelium gepredigt hat, in Indien mit der Lanze get\u00f6tet worden sein. Das Winkelma\u00df soll darauf hinweisen dass er erst nach genauer Pr\u00fcfung an den Auferstandenen glaubte.<br \/>\n12 Jakobus der J\u00fcngere mit einer langen Stange und einer kurzen Fahne darauf. Er soll, nachdem er lange Bischof in Jerusalem war, bei einer Christenverfolgung von der Zinne des Tempels gest\u00fcrzt worden und, als er noch nicht tot war, mit einer Walkerstange vollends erschlagen worden sein.<\/p>\n<p>Heute sind leider nur noch die folgenden, zum Teil erheblich besch\u00e4digten, Figuren vorhanden: Bildhauer Reichenbach bei der Restaurierung<\/p>\n<p>Petrus mit Buch und Schl\u00fcssel (2)<br \/>\nPaulus mit den zwei Schwertern (1)<br \/>\nSimon mit der S\u00e4ge, dem Zeichen seines Martyriums (7)<br \/>\nJohannes, den Becher segnend, um das Gift zu vertreiben (3)<br \/>\nMatthias h\u00e4lt das Beil, er wurde enthauptet (10)<br \/>\nThomas, an einem Stab und lesend (11)<br \/>\nPhilippus auf das Kreuz in seinem Arm deutend (6)<\/p>\n<p>Die Glocken<br \/>\nIm Glockenstuhl befanden sich einmal vier Glocken.<br \/>\nDie gro\u00dfe, auch Dominikalglocke genannt, wurde, nach einer Umschrift zu schlie\u00dfen, am 14.8.1368 gegossen, einen Tag vor dem Fest Mari\u00e4 Himmelfahrt. Zu besonderen Anl\u00e4ssen wurde sie auch allein gel\u00e4utet. Auch diente sie als Feuer- und Sturmglocke. Diese Glocke ist im Jahre 1811 zerschlagen worden, um Geld zu gewinnen zur Wiederherstellung der durch Kriegsn\u00f6te sehr verw\u00fcsteten Kirche.<\/p>\n<p>die Osanna-Glocke, gegossen im Jahre 1373Die fr\u00fcher mittelste, jetzt gr\u00f6\u00dfte Glocke hie\u00df auch Vesperglocke. Als sie im Jahre 1583 zersprungen war, ist sie 1584 von einem Glockengie\u00dfer aus Erfurt, namens Eckhard Kuchern, umgegossen worden. Ihre Umschrift lautete: &#8222;Jerem. am 7. Kap. Tritt unter das Thor des Herrn Haus &#8211; Und schrei mit lauter Stimme naus, zu h\u00f6ren das Wort des Herrn, Mit Glocken, Harfen und Psalmen in Ehrn. Folget nicht dem unbekannten Gott, Christus hilft aus aller Noth. Eckardt Kuchger go\u00df mich in C\u00f6nnern MDLXXXIII.&#8220;<\/p>\n<p>Im Jahre 1707 ist sie wieder zersprungen und daraufhin hinter der Kirche St. Aegidii erneut umgegossen worden. Als Umschrift tr\u00e4gt sie u.a. den Satz aus Psalm 1,1: &#8222;Jauchzet dem Herrn alle Welt, dienet dem Herrn mit Freuden, kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken.&#8220;<br \/>\nDie dritte, jetzt zweite, Glocke ist die sogenannte O s a n n a &#8211; Glocke. Sie ist die \u00e4lteste und ber\u00fchmteste, allerdings auch viel umstrittene Glocke des Turmes. Ihren Namen verdankt die Glocke dem Spruch aus Matth\u00e4us 21,9, welcher auf dem obersten Schriftbande steht und lautet: &#8222;Osanna filio david benedictus qui venit s. in s. nomine domini LXXIII.&#8220; Das hei\u00dft: &#8222;Hosianna dem Sohne Davids, gelobt sei der da kommt in dem Namen des Herrn 73&#8220;. Das zweite Schriftband enth\u00e4lt eine Reihe von bildlichen Darstellungen, zum Teil in Medaillonform. Es sind die heiligen Evangelisten mit ihren Sinnbildern, zweimal die Verk\u00fcndigung der Maria, betende Engel, Maria unter dem Kreuz usw. zu sehen. Auf dem Glockenk\u00f6rper befinden sich zwei Kruzifixe und auf der dritten Seite ein kniender M\u00f6nch, vor welchem auf aufgerolltem Schriftbande eine r\u00e4tselhafte, vieldeutige Inschrift steht: &#8222;herman macte mich&#8220;. Sie deutet auf einen Glockengie\u00dfer namens Hermann hin. Es ist anzunehmen, dass die Glocke im Jahre 1373 gegossen wurde. Die Osanna-Glocke ist vermutlich die erste und \u00e4lteste Glocke in Anhalt, welche einen Bibelspruch als Inschrift aufweist. Man nannte sie auch Gerichtsglocke, weil sie bei Exekutionen gel\u00e4utet wurde. Ihr Ton ist D, der Ton der Vesperglocke ist Dis.<\/p>\n<p>Die T\u00fcrmerstube<br \/>\nIn der ehemaligen T\u00fcrmerstube ist der Aufzug noch zu sehen. In der T\u00fcrmerwohnung wurde Louis Beate, der Begr\u00fcnder des Z\u00f6llner-M\u00e4nnerchores, geboren. Zu den Aufgaben des T\u00fcrmers geh\u00f6rte auch das Aufziehen der Uhr und das L\u00e4uten morgens um 4, mittags um 11 und abends um 20 Uhr. Im Jahre 1877 wurde der Posten des T\u00fcrmers aufgegeben, weil man wegen des Schornsteins, der in den Turm f\u00fchrte, eine Brandgefahr sah.<\/p>\n<p>Der Turmw\u00e4chter wie auch die Turmuhr dienten mehr gemeinn\u00fctzigen Zwecken. Daher war die Erhaltung des Turmes oberhalb des Kirchendaches einschlie\u00dflich der Uhr Pflicht der Stadt Bernburg.<\/p>\n<p>Heute k\u00f6nnen Besucher die ca. 150 Stufen hochsteigen und einen Rundblick \u00fcber die Stadt genie\u00dfen. Es wurden auch schon Lesungen durchgef\u00fchrt, zum Beispiel w\u00e4hrend der &#8222;Nacht der offenen Kirchen&#8220;.<\/p>\n<p>Das &#8222;Gef\u00e4ngnis&#8220;<br \/>\nIm Erdgeschoss des Turmes findet man einen Einbau, der uns R\u00e4tsel auf gibt. Der Raum ist gew\u00f6lbt. Durch die beiden kleinen, mit je einem Gittestab versehenen Fenster, f\u00e4llt kaum Licht. Die T\u00fcr hat eine kleine \u00d6ffnung, die eine Versorgungsklappe gewesen sein k\u00f6nnte. Wurde hier jemand festgehalten, \u00fcber den zu Gericht gesessen wurde? das sogenannte Gef\u00e4ngnis im Untergeschoss des TurmesIn der schlimmen Zeit des Hexenaberglaubens richtete sich der Argwohn des Volkes auch gegen die, mit mancherlei Gebrechen behafteten, alten Leute im nahe gelegenen Hospital, dem ehemaligen Kloster. Die Marienkirche und das Kloster unterhielten immer enge Beziehungen. Mehrfach sind Bewohnerrinnen des Klosters als Hexen gefoltert und verbrannt worden. F\u00fcnf Frauen wurden im Jahre 1600 und eine im Jahre 1618 wegen Zauberei verbrannt. Im Kirchenbuch von St. Marien findet sich 1664 folgender Eintrag: &#8222;Am stillen Freitag gegen Abend ward eine alte Hexe ausen Hospital, die Stoische genannt, welche uf der Gerichtsstube (Folterkammer) gestorben, uf der Schinderkarre hinausgef\u00fchrt und uf der Schinderkeute begraben.&#8220; &#8211; &#8222;Den 4. Mai seiend die beiden Hexerei Beschuldigten und eingezogenen Personen als Anna Bergern und Anna Lie\u00df ausem Hospital zur Tortur gebracht, folgenden 5. Mai tot gefunden und bei die dritte begraben worden.&#8220;<\/p>\n<p>Die Kirchengemeinde heute<br \/>\n1965 wurden die beiden Gemeinden St. Marien und St. Nicolai zu einer Gemeinde vereinigt. Die Nicolaikirche wurde langfristig an die Katholische Kirche verpachtet. Das Pfarramt und die Pfarrwohnung befinden sich im Pfarrhaus an der Nicolaikirche, Breite Stra\u00dfe 81. Das ehemaligen Pfarrhaus der Marienkirche wurde vom &#8222;Diakonischen Werk&#8220; gepachtet und beherbergt heute als &#8222;Haus der Diakonie&#8220; die &#8222;Diakonie-Sozialstation&#8220;, die Beratungsdienste und die Tagesst\u00e4tte &#8222;Lichtblick&#8220;, eine Einrichtung f\u00fcr seelisch Behinderte.<\/p>\n<p>Die Talstadt mit Waldau hat derzeit ca. 7000 Einwohner. Die Ev. Kirchengemeinden St. Marien und St. Nicolai und St. Stephani in Waldau haben zusammen ca. 950 Mitglieder. Somit hat die evangelische Kirche einen Bev\u00f6lkerungsanteil von rund 15 %. Die Mitgliederzahlen sind zurzeit immer noch r\u00fcckl\u00e4ufig.<\/p>\n<p>In der Vergangenheit wurde der Kirche mancherlei Gewalt angetan. Die evangelische Kirchengemeinde St. Marien und St. Nikolai sieht sich in der Pflicht, die Marienkirche als ein bedeutendes Bauwerk zu erhalten. F\u00f6rdermittel von Stadt, Land und Bund, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der Umweltstiftung sowie Spenden von Betrieben und Einzelpersonen haben bisher geholfen, den Verfall zu stoppen und die alte Sch\u00f6nheit teilweise wieder erstehen zu lassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Geschichte der Bernburger Mariengemeinde (Den Ausf\u00fchrungen liegt unter anderem das Buch &#8222;Altes und Neues von der Marienkirche zu Bernburg &#8211; Ein Beitrag zur Geschichte der Stadt, von Pastor A. 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