{"id":200,"date":"2013-03-15T12:37:53","date_gmt":"2013-03-15T10:37:53","guid":{"rendered":"http:\/\/talstadtgemeinde-bernburg.de\/?page_id=200"},"modified":"2018-12-05T18:30:33","modified_gmt":"2018-12-05T17:30:33","slug":"alte-waldauer-kirche","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/talstadtgemeinde-bernburg.de\/?page_id=200","title":{"rendered":"Alte Waldauer Kirche"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Evangelische St. Stephanskirche zu Bernburg &#8211; Waldau<\/strong><\/p>\n<p>Der Namenspatron der Kirche ist der Heilige Stephanus, der als erster um seines christlichen Glaubens willen in Jerusalem starb. Sie steht auf dem Stephansberg und wird 964 erstmalig als eine von Gernrode abh\u00e4ngige Parochie (Pfarrbezirk) erw\u00e4hnt. Sie scheint eine h\u00f6here Stellung eingenommen zu haben, denn ihre Geistlichen waren Stiftsherren von Gernrode. 1292 wird sogar ein gewisser Johannes als Archipresbyter (Erzpriester, Stellvertreter des Bischofs) bezeichnet. Auch waren ihre Geistlichen meist aus Adelsgeschlechtern.<\/p>\n<p>\u00dcber den Bau der jetzigen Kirche sind keine Nachrichten vorhanden. Das Kirchenschiff in seiner jetzigen Gestalt stammt aus dem 12. Jahrhundert. 781 wurde das Bistum Halberstadt gegr\u00fcndet. Wahrscheinlich wurden von dort Missionare nach Waldau gesandt. Karl der Gro\u00dfe (768-814) hat von hier aus seinen Einfall in das Land der Wenden \u00f6stlich der Saale bewerkstelligt. Auch das l\u00e4\u00dft auf einen Kirchenbau schon zu dieser Zeit schlie\u00dfen.<\/p>\n<p>\u201eDie Kirche liegt wehrhaft und trotzig \u00fcber dem weiten Saaletal, im Innern aber k\u00fcndet sie von weltabgewandter Stille. Der Bau atmet norddeutschen Ernst und stellt eine konservative Baugesinnung dar.\u201c (Rudolf Schneider)<\/p>\n<p>Der Grundri\u00df zeigt ein einfaches Rechteck, an das sich westlich der Turm und \u00f6stlich ein Altarhaus mit runder Apsis anschlie\u00dft. Der Turm bildet ein l\u00e4ngliches Rechteck mit 1 m starken Grundmauern. Im unteren Gescho\u00df ist ein Tonnengew\u00f6lbe, das sich fr\u00fcher zur Kirche mit einem Rundbogen \u00f6ffnete und \u00fcber dem sich noch zwei Stockwerke befinden. Jedes derselben hat nach Osten und Westen je zwei gekuppelte Rundbogenfenster, nach S\u00fcden und Norden nur je ein solches. Zwei \u00f6stliche Fenster sind durch das Kirchendach verdeckt. Das Dach des Turmes ist ein viereckiges Satteldach. Das Schiff der Kirche ist einfach. Es hat nach Norden und S\u00fcden je drei Rundbogenfenster. Im S\u00fcden befindet sich unter dem westlichen Fenster das Portal.<\/p>\n<p>Zum Altarhaus hin \u00f6ffnet sich das Schiff durch einen einfachen Rundbogen, an den sich dieses mit verk\u00fcrzter Breite und H\u00f6he anschlie\u00dft. Es wird durch je ein Fenster nach S\u00fcden und Osten erleuchtet. Der ganze Bau wird durch die runde, dreifenstrige Apsis abgeschlossen.<\/p>\n<p>Die K\u00e4mpfergesimse des gro\u00dfen Rundbogens im unteren Gescho\u00df des Turmes sitzen auf Pfosten, die 1,30 m tiefer auf den Fundamenten ruhen. In diesem unteren Teil des Turmes haben wir den Rest eines Baues aus dem 11. oder sogar aus dem 10. Jahrhundert. Durch Grabungen konnte bewiesen werden, da\u00df die Fundamente von Kirche und Turm vollkommen verbunden sind. So kann man daraus schlie\u00dfen, da\u00df die jetzige Kirche auf den Fundamenten der fr\u00fcheren aufgebaut und ein Rest des Turmes beim Aufbau wieder mit verwendet wurde.<br \/>\nMan hat beim Wiederaufbau mit dem Turm begonnen, da man in jener Zeit den Kirchturm als Wachturm benutzte. Im ersten Stock sind nach Osten zwei Fenster vorhanden, die beim sp\u00e4teren Aufbau des Schiffes durch das Kirchendach verdeckt wurden.<br \/>\nEin Stein aus dem fr\u00fcheren Bau ist beim Portal als Schlu\u00dfstein eingef\u00fcgt worden. Er zeigt \u201edas halbe M\u00e4nnchen\u201c, eine Figur in ganz roher, flacher Arbeit, die gro\u00dfe \u00c4hnlichkeit mit dem Kruzifix aus dem 11. Jahrhundert im Tympanon (vertieftes, halbrundes T\u00fcrbogenfeld an kirchlichen Portalen) in Rathmannsdorf besitzt. Sie stellt vermutlich den Heiligen Stephanus dar. Die andere H\u00e4lfte ist vielleicht noch in einem der anderen Schlu\u00dfsteine in der Vermauerung zu suchen.<br \/>\nOb wir in den S\u00e4ulen und Kapitellen der Fenster noch \u00dcberreste eines \u00e4lteren Baues haben, ist nicht zu sagen. Sie sind alle verschieden. Dem Charakter nach ist die im unteren Stock an der S\u00fcdseite befindliche die \u00e4lteste. Die Basis besteht aus einer einfachen Platte, welche mit dem dicken, nach der Mitte zu stark anschwellenden Schaft, aus einem St\u00fcck ist. Auf diesem liegt ein Wulst, auf welchem das einfache, mit Schildbogen verzierte W\u00fcrfelkapitell ruht. Das K\u00e4mpfergesims ist erst bei einer Ausbesserung in diesem Jahrhundert eingef\u00fcgt worden.<\/p>\n<p>Das Portal an der S\u00fcdseite wird durch zwei S\u00e4ulen gebildet, die den Rundbogen tragen. Die S\u00e4ulen sind erst sp\u00e4ter hier angebracht, da sie aus dem 13. Jahrhundert stammen und nach ihrer Gr\u00f6\u00dfe gar nicht hierher passen. Bis zu einem Viertel ihrer H\u00f6he stehen sie n\u00e4mlich auf viereckigen Pfosten, und auf dem Kapitell ist noch ein zweites, trapezf\u00f6rmiges aufgesetzt, so da\u00df sie selbst sehr gedr\u00fcckt erscheinen. Die linke S\u00e4ule steht auf einer attischen Basis. Der Schafft ist achteckig und tr\u00e4gt auf einem Pfahl das Kapitell, welches derart mit Blattwerk geziert ist, da\u00df in den abgeschr\u00e4gten Ecken sowohl wie an den Seitenfl\u00e4chen ein durch Perlschnur gehaltenes Blattb\u00fcndel steht. Die rechte S\u00e4ule ist eine aus 10 St\u00e4ben bestehende B\u00fcndels\u00e4ule, welche ein \u00e4hnliches Kapitell wie die andere tr\u00e4gt. Auf beiden Kapitellen liegt noch eine nicht vorspringende Deckplatte mit W\u00fcrfelverzierungen. Dann folgt das glatte Trapezkapitell mit glatter, vorspringender Platte, auf der der Rundbogen liegt.Das Tympanon ist glatt und zeigt nur in der Leibung jene oben erw\u00e4hnte halbe Steinfigur. Der Bogen vom Turm nach der Kirche ist zum Teil zugemauert und jetzt durch eine viereckige T\u00fcr verschlossen. Die Leibungen der Pfosten sind aus einem Stein und tragen je ein Kreuz, welches sich auf einem langen Stil befindet, der unten auf einem Halbkreis steht. Es scheint, da\u00df es Grabsteine waren mit fr\u00fchromanischen Formen eines Grabkreuzes. Ob hier Kreuzfahrer begraben liegen? Denn au\u00dfer bei Geistlichen war es auch bei Kreuzfahrern Sitte, Kreuze aufs Grab zu stellen.<\/p>\n<p>Vor etwa 100 Jahren lie\u00df die Waldauer Kirchengemeinde eine neue Kirche bauen, die 1894 eingeweiht wurde. Anl\u00e4sslich der 1910 stattgefundenen gro\u00dfen Restaurierung der Kirche wurden An- und Einbauten sp\u00e4terer Jahrhunderte wieder beseitigt und so der urspr\u00fcngliche romanische Zustand wieder hergestellt. Aus dieser Zeit stammt auch der Altar. Die Kirche diente einige Jahrzehnte als Museum f\u00fcr Grabsteine.\u2028\u2028Am 10.10.1954 wurde erstmals wieder zu einer musikalischen Abendandacht eingeladen, und seitdem fanden hier hin und wieder Sonderveranstaltungen statt. Als dann die neue Kirche immer mehr verfiel, zog die Kirchengemeinde, inzwischen kleiner geworden, wieder in die alte Kirche ein. Die neue Kirche, mittlerweile in ruin\u00f6sem Zustand, wurde 1990 verkauft.<\/p>\n<p>Ende der 80er Jahre wurden umfangreiche Restaurierungsarbeiten durchgef\u00fchrt. Die alte Balkendecke wurde freigelegt. Die breiten Risse im Mauerwerk wurden mit M\u00f6rtel verpre\u00dft Im unteren Teil wurde innen ein Sanierputz aufgetragen, der por\u00f6s und damit durchl\u00e4ssig f\u00fcr aufsteigende Feuchtigkeit ist. F\u00fcr die Beleuchtung durch Kerzen wurden schmiedeeiserne Leuchter angefertigt. Ein siebenarmiger Leuchter erinnert an die Verwurzelung des Christentums im j\u00fcdischen Glauben. Der darin eingeschmiedete Stein aus Jerusalem weist auf Stephanus, den ersten M\u00e4rtyrer der Kirche, hin. Er fiel durch \u201eWunder und gro\u00dfe Zeichen unter dem Volk\u201c auf und wurde um seines Glaubens willen vor den Toren Jerusalems gesteinigt. Am 26.5.1990 konnte die Kirche wieder eingeweiht werden.<\/p>\n<p>Inzwischen geh\u00f6rt die sogenannte \u201eAlte Waldauer Kirche\u201c zur im Jahre 2011 aus den Gemeinden Waldau und Bernburg &#8211; Marien vereinigten Evangelischen Talstadtgemeinde Bernburg. Durch die Zugeh\u00f6rigkeit zur Stra\u00dfe der Romanik erfreut sie sich vor allem in den Sommermonaten einer guten touristischen und kunsthistorischen Resonanz mit ca. 800 BesucherInnen im Jahr.<\/p>\n<p>Die einfache, schlichte und origin\u00e4re mittelalterliche Gestalt des Raumes l\u00e4dt ein zum Innehalten und Gebet.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus finden regelm\u00e4\u00dfig hier \u00a0Konzerte statt.<\/p>\n<p>Die genaue Adresse ist: Bernburg, Am Weinberg 5.<\/p>\n<p>Wir freuen uns auf Ihren Besuch!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Evangelische St. Stephanskirche zu Bernburg &#8211; Waldau Der Namenspatron der Kirche ist der Heilige Stephanus, der als erster um seines christlichen Glaubens willen in Jerusalem starb. Sie steht auf dem Stephansberg und wird 964 erstmalig als eine von Gernrode abh\u00e4ngige Parochie (Pfarrbezirk) erw\u00e4hnt. 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