Kriegerdenkmal

In den 1920er Jahren wurden in Bernburg von Kirchengemeinden, Sportvereinen, Traditionsverbänden und Schulen zahlreiche Ehrendenkmäler und Gedenktafeln für die Gefallenen, Vermissten und Verstorbenen des Weltkrieges errichtet. Auf dem Friedhof II entstand eine große zentrale Gedenkanlage, die jedoch zum größten Teil beim Bombenangriff am 11. April 1945 zerstört wurde. Die Waldauer Stefanusgemeinde erbaute als erste Kirchengemeinde in Bernburg ein großes Ehrendenkmal. Es wurde am Pfingstsonntag, dem 20. Mai 1923 mit einem Festakt auf einer Anhöhe im westlichen Teil des Gartens der 1893 fertiggestellten neuen Waldauer Kirche eingeweiht. Für die Planung, Errichtung und Einweihung hatte der Gemeindekirchenrat (GKR) eine Ehrendenkmalkommission gegründet, der Pastor Lingner und der Vorsitzende des GKR Dr. Horst Wagner, Besitzer der Chemischen Fabrik in Waldau, vorstanden. Für den Entwurf wurde der Magdeburger Bildhauer Hermann Habs gewonnen, die Bauausführung stand unter der Leitung der Anhaltischen Bauverwaltung, namentlich Regierungs- und Baurat Hans Wendler und Rosa Söhns. Das Denkmal entstand unter den schwierigsten wirtschaftlichen Verhältnissen. So nutzte man für den Bau Sandsteinelemente des aufgelösten alten Waldauer Friedhofs, viele Kleinunternehmer und Privatleute lieferten und arbeiteten unentgeltlich. Dennoch reichten unter den Bedingungen der heraufziehenden Hyperinflation die Mittel nicht, um bis zur Fertigstellung alle Forderungen zu begleichen. Weitere massive Spendenaktionen waren nötig.

Foto des Denkmals von Birthe Rüdiger

Am Ende aber war ein Denkmal entstanden, das „als Schmuckstück für die ganze Stadt Bernburg“ (Anhalter Kurier) bezeichnet wurde. 124 Namen wurden auf den kreuzförmig angeordneten Sandsteinplatten des Denkmal-Oberbaus eingemeißelt – unabhängig von Konfession und kirchlicher Zugehörigkeit. 

In den 1960er Jahren war das Umfeld des Denkmals verwildert, viele der Kriegsopfer vergessen. Der Grundstücksnachbar beantragte einen Flächenerwerb bei der Landeskirche und diese willigte ein. Das Denkmal durfte der neue Eigentümer jedoch nicht entfernen. So geschah es, dass auch das Denkmal nur noch wenigen in Erinnerung blieb. Erst eine Veranstaltung zum 100. Jahrestag des Kriegsendes in Bernburg im Oktober 2018 regte einen Besucher an, das Denkmal wieder für die Öffentlichkeit erlebbar zu machen und somit die Orte der Gedenkkultur in der Stadt zu bereichern. Der Bernburger Heinz Gorris besorgte im Zusammenwirken mit der Stadtverwaltung und dem Landesamt für Denkmalschutz und Archäologie die Umsetzung des Denkmals vom Privatgrundstück an der Magdeburger Straße zum Friedhof III auf eigene Kosten. Abbau, Umsetzung und Wiederaufbau des Denkmals erledigte der Schönebecker Steinmetzmeister Steffen Kalisch im November 2020. Dabei fiel auf, dass das Denkmal nicht mehr komplett erhalten war; insbesondere fehlen die vierte Namenstafel und die Bekrönung durch Kugel und Eisernes Kreuz. 

Die Stadt Bernburg (Saale) dankt dem Initiator und Spender Heinz Gorris für die ungewöhnliche und großherzige Aktion.

Joachim Grossert
joachim.grossert@gmx.de

Die Opfernamen 
– insgesamt 124 –

1914
Willy Fiedler
Albert Ganzer
Wilhelm Schmidt
Hermann Ziegler
Paul Sube
Wilhelm Neupert
Paul Rose
Hermann Valdeig
Hermann Krökel
Karl Schulze
Walter Spangenberg
Hermann Gustav Greye
Albert Oemler
Franz Koch
Otto Meiling
Otto Jurisch
Karl Meinecke
Emil Knaul
Otto Hummel
Otto Graumann
Gustav Knorr
Wilhelm Ziegler
Franz Koch

1915
Richard Linke
Paul König
Otto Franzelius
Otto Koch
Gustav Sube
Walter Osterland
Richard Trolldenier
Eduard Dominé
Friedrich Stutz
Alwin Papendieck
Otto Maschke
Otto Schulze
Albert Pflugmacher
Otto Kindling
Otto Wagner
Gustav Birnbaum
Paul Birnbaum
Karl Hundt
Otto Bestehorn
Otto Knaul
Paul Pfeiffer
Wilhelm Beuster
Wilhelm Schumann
Otto Trauscholdt
Hermann Hanebutt
Stephan Wojtaszek
Wilhelm Geissler
Wilhelm Proft
Friedrich Kloppe
Franz Defert
Wilhelm Pauli
Karl Brockmann
Franz Birnbaum
Wilhelm Schwärzel
Franz Täger
Paul Krieg
Albert Ostwald
Paul Riegelmann

1916
Martin Voigt
Wilhelm Eckert
Franz Knopf
Alwin Hartmann
Walter Hesse
Friedrich Noah
Johannes Neupert
Willy Meiling
Willy Schröter
Erich Fleischhauer
Franz Defert
Heinrich Gothe
Franz Petzold
August Barnebeck
Richard Röhrig
Ewald Günther
Robert Krieg
Karl Heller
Friedrich Noah
Karl Rose
Gustav Herzog

1917
Richard Knauft
Anton Maaß
Paul Krüger
Friedrich Koch
Robert Köbbel
Hermann Grünewald
Hermann Beuster
Otto Maaß
Karl Stolze
Franz Oppermann
Franz Birnbaum
Franz Borrmann
Christian Stange
Otto Radecke
Karl Hundt
Emil Schulz
Karl Keitel
Wilhelm Knabe
Julius Ryzek
Wilhelm Eurich
Wilhelm Klawatzki
Otto Hey
Otto Sube

1918
Ernst Brösel
Karl Steinbach
Georg Gothe
Franz Noah
Wilhelm Schulze
Konrad Franz Hartung
Otto Barnebeck
Otto Großkopf
Karl Steinbach [Nachmeldung 1935]

Ohne Angabe
Karl Barnebeck
Richard Knauft
Franz Mehlhase
Willy Pulst
Friedrich Schwabe
Karl Knabe
Franz Lange
Reinhold Großkopf
Fritz Defert
Otto Neuber